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Demontage der Kommunikation, eine fatale Entwicklung

05.10.2012 06:00

In Krisen-, Katastrophen- und Kriegslagen werden weite Teile der heute für uns selbstverständlichen Kommunikations-Infrastruktur nicht mehr (frei) verfügbar sein. Das beeinflusst den Stellenwert das Amateurfunks.


In Krisen-, Katastrophen- und Kriegslagen werden weite Teile der heute für uns selbstverständlichen Kommunikations-Infrastruktur nicht mehr (frei) verfügbar sein. Das Internet, die drahtgebundenen und die drahtlosen Kanäle können von den Regierungen mit Mausclick abgeschaltet oder eingeschränkt werden, mitsamt allen “Social Media”-Plattformen.

Die Idee, das Internet könnte den Kurzwellen-Dienst auch in solchen Lagen ersetzen, zeugt entweder von unglaublicher Naivität oder von unzureichender technologischer Sachkenntnis. Vielleicht trifft auch beides zu.

Gerade in ausserordentlichen Lagen wäre die Existenz eines Kurzwellen-Rundfunks für die zeitverzugsfreie Information unserer Auslandschweizer unerlässlich. Leider hat man den Dienst eingestellt, weil in Schwarzenburg ein paar Kühe gerüchteweise etwas weniger Milch gegeben haben.

Ja, natürlich haben wir noch unsere Auslandsvertretungen in Form von Botschaften und Konsulaten. Diese stehen zurzeit (u.a.) über Kurzwellen-Botschafts-Funk mit dem EDA/VBS in Verbindung. Kurzwellen-Funk ist nach wie vor eine sehr moderne Übermittlungsart, ja sogar die einzige, welche ohne jegliche dazwischenliegende technische Infrastruktur weltweite Kommunikation zwischen der Schweiz und jedem Ort auf der Erde ermöglicht. Die Amateurfunker demonstrieren dies tagtäglich in der Oeffentlichkeit (z.B. Demo-Station HB9O im Verkehrshaus Luzern). Aus “Spargründen” erwägt das EDA jetzt sogar, auf den Botschaftsfunk zu verzichten. Damit wären dann sämtliche Auslandsvertretungen im “Ernstfall” ohne Verbindung mit der Schweiz und könnten ihren Verbindungsauftrag zu den ausländischen Regierungen nicht mehr mit dem Bundesrat koordinieren.

In dieser Situation wäre dann die “Community” der rund 4000 Amateurfunker in der Schweiz noch die einzig verbleibende Möglichkeit, die wichtigen Verbindungen zu betreiben. Auch digital und bei Bedarf auch verschlüsselt. Das ist keine theoretische Betrachtung sondern eine Tatsache von grosser Bedeutung. Amateurfunker stellen ihr Können und Wissen schon seit Jahrzehnten der Allgemeinheit zur Verfügung, sei es im Auftrag der international tätigen humanitären Organisationen oder beim Einsatz in den Spezialeinheiten der Armee. Neue Aufgaben könnten mit der bestehenden technischen Ausrüstung übernommen werden. Durch die hier diskutierten Entwicklungen kann der Amateurfunk einen massiv höheren Stellenwert bekommen. 

Die Gesellschaft und die Behörden gehen ein sehr hohes Risiko ein, wenn sie meinen, unsere hochtechnologisierte und hochkomplexe Kommunikations-Infrastruktur stehe einfach “garantiert” immer zur Verfügung, frei nach dem Motto “der Strom kommt aus der Steckdose”. Die Marschrichtung unserer Bundesverwaltung, etliche an den Bund delegierte wichtige Aufträge nicht mehr oder nur noch beschränkt wahrzunehmen und durch Unterlassung somit erhebliche Risiken bewusst in Kauf zu nehmen, macht mir Sorgen. Es wäre in dieser Situation sinnvoll, den Abbau der Auftragserfüllung offener zu kommunizieren und mit diesbezüglichen Leistungsvereinbarungen an NGOs mindestens teilweise zu kompensieren. 

(HB9AMC)




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